Zur falschen Zeit am falschen Ort

Aus StellarWeb
Wechseln zu: Navigation, Suche

Funken flogen und kleine Steinsplitter stoben umher. Das Rattern automatischer Waffen erfüllte die Luft und verdrängte alle anderen Geräusche. Es stank nach Schwarzpulver. Yehl hockte hinter einem Stein und verfluchte sein Schicksal. Der Tag hatte richtig gut angefangen. Ihr Chef war gut drauf gewesen, sie hatten ein richtig gutes Frühstück genossen und waren dann vom Shuttle aus aufgebrochen, um eine sonderbare Geländeformation zu untersuchen. Er war mit Rocko, einem Nashornbeta unterwegs gewesen, um ihren Wissenschaftsexperten Flankenschutz zu geben. Die Gegend hatte sich durch die Fauna als etwas widerspenstig erwiesen und da war es ratsamer erschienen, etwas Feuerkraft in der Nähe zu haben. Aus dem Orbit heraus hatten sie nicht erkennen können worum es sich dabei gehandelt hatte. Aus irgend einem Grund hatten die Scanner das Zielgebiet nicht richtig erfassen können. Nun also waren sie hier. Große graue Berge erhoben sich weit in die Wolken hinein. Der Himmel wirkte rötlich, durch Staubpartikel in der Atmosphäre. So weit man schauen konnte sah man nur Gras. »Sag mal, was glaubst du erwartet uns am Ziel?« fragte Rocko, der seine Lightspear IV locker im Arm hielt. Das schwere Lasergewehr wirkte so viel leichter, wenn ein großer Nashornbeta sie trug. Dabei hätte Yehl die Waffe kaum heben können ohne mechanische Hilfe. Der Schildrabenbeta zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Vermutlich ist es nur eine Gesteinsformation die, warum auch immer, ein magnetisches Feld ausstrahlt.« Rocko kratzte sich am Kopf. Er war ein wirklich guter Teamkamerad, aber nicht gerade sehr helle. »Meinst es gibt was zu erschießen?« Yehl legte den Kopf schief. »Ich hoffe nicht. Mir haben diese merkwürdigen Raptorkatzen schon vollkommen gereicht.« entgegnete dieser. Rocko lachte laut auf. »Die haben mir gefallen. Die haben sich gewehrt und waren schwere Ziele. Ich mag Herausforderungen weißt du?« »Ja Großer, ich weiß.« Yehl richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Untergrund vor ihnen. Ihr Fahrzeug kam mit der Landschaft gut zurecht. Zu ihrer Rechten sahen sie gewaltige Kreaturen. Die beiden Betas konnten nicht erkennen, ob es sich dabei um Pflanzen oder Tiere handelte. Sie bewegten sich und hatten vier Beine und graue Haut. Große schwarzen Augen waren auszumachen. Sehr irritierend waren aber die großen blätter-artigen Auswüchse auf dem Rücken. Sie wirkten wie Bäume oder Sträucher. »Meinst du ich sollte sie erschießen?« Yehl schüttelte den Kopf und griff zu seinem JUST. »Yehl an Weißkittel. Weißkittel hörst du mich?« Sofort kam die Antwort. »Du sollst mich dich nicht Weißkittel nennen, Yehl. Mein Name ist Sam. Was willst du denn?« »Sei nicht so empfindlich, ich habe hier Wissenschaftler-Kram für dich. Komische Tiere, die sich nicht recht entscheiden konnten, ob sie vielleicht doch lieber Pflanzen hätten werden wollen. Die Viecher sind so um die fünf Meter hoch und so knappe zehn Meter lang.« Einen Augenblick herrschte Ruhe. »Wir schauen uns das später an. Erst mal will ich wissen, was ein so starkes Magnetfeld abstrahlt, dass es unsere Sensoren stören kann.« Yehl bestätigte und blieb auf Kurs. Nach ihren Sensoren zu urteilen würden sie in zirka zehn Minuten ihr Ziel erreichen. Als sie fast da waren, erkannten sie den Grund für das Feld. Es war kein natürliches Phänomen. Vor ihnen stand ein Störturm. »Yehl, Rocko, erhöhte Wachsamkeit. Scheinbar sind wir doch nicht allein auf dem Planeten. Ich werde mich mit Kim umsehen. Ihr beide sichert das Gelände.« Wieder bestätigte Yehl. Rocko fing an zu grinsen. Es gab die Aussicht auf sinnlose Gewalt und sinnlose Gewalt gefiel Rocko immer. Mit geübten Fingern entsicherte er sein Lasergewehr und überprüfte seine Batterieclips. »Brauchen eigentlich nur im Auto sitzen und auf den Sensor gucken.« Yehl schüttelte den Kopf. »Eher nicht, schau doch mal.« Der Nashornbeta beugte sich weiter vor, konnte aber nichts erkennen. »Da ist nichts zu sehen, willst mich wohl veralbern?« Yehl seufzte leise. »Nein, das da ist ein Störsender und Störsender sind dafür da zu stören. Wir werden uns wohl auf unsere Augen konzentrieren müssen.« Rocko schnaubte aufgebracht. Seine Augen waren nicht die besten, dafür war sein Geruchssinn hervorragend. Der Schildrabenbeta schwang sich aus dem Auto und nahm sein Fernglas zur Hand. Weit und breit war niemand zu sehen. Der Scout gähnte herzhaft. Er ging nicht davon aus in Schwierigkeiten zu geraten. Vermutlich handelte es sich lediglich um ein verlassenes Piratenversteck. Doch plötzlich brach die Hölle los. Kampfjets sausten über ihre Köpfe hinweg. Gleichzeitig drangen Schüsse aus der Richtung, in die Sam und Kim gegangen waren, an ihre Ohren. Sofort warfen sich Rocko und Yehl hinter ihrem B'Hazard Explorer in Deckung. »Verdammt!« fluchten Yehl und Rocko fast gleichzeitig. »Die Jets sind in Richtung Shuttle verschwunden. Wir müssen denen dringend bescheid geben.« Rocko nickte und sah sich unruhig um. Aber er konnte weder mit seinen Augen noch mit seiner Nase etwas wahrnehmen. »Lieutnant Decker, bitte kommen. Lieutnant Decker, bitte kommen.« Nichts, das JUST blieb stumm. »Verdammt ich erreiche das Shuttle nicht. Wir können nur hoffen, dass sie das Radar im Auge behalten. Jetzt sollten wir erst einmal Sam und Kim helfen.« Rocko überlegte nicht lang. Er sprang auf und rannte in die Richtung der anderen Justifiers. Yehl schüttelte den Kopf schwang sich hinters Steuer des bulligen Jeeps und fuhr los. Schnell sammelte er den Waffenexperten ein und schon ging es weiter. Vor ihnen wurde die Struktur immer größer. Yehl bremste. Vor ihm lag der regungslose Körper von Sam. Sie brauchten nicht zu überprüfen, ob der Armadillobeta noch lebte. Die faustgroßen Löcher in seiner Panzerung und in seinem Körper, dazu die riesige Blutlache, die sich unter ihm ausgebreitet hatte, sprachen für sich. Rocko hob das JUST. »Hey Kim, wo biste denn?« Stille, die dann von Maschinengewehrgarben unterbrochen wurde. Kim, die Katzenbeta, hechtete an ihnen vorbei und warf sich hinter dem Jeep in Deckung. Yehl und Rocko zogen es vor, ihrem Beispiel zu folgen. »Wir müssen hier weg!« rief Kim fast panisch. Rocko sprang auf und schoss ein paar gebündelte Lichtstrahlen in die Richtung, aus der Kim gekommen war. »Was ist eigentlich passiert?« wollte Yehl wissen. »Es war eine Falle. Sie haben auf uns gewartet. Sie hatten ChameleonSkins an. Wir hatten gar keine Chancen gehabt. Kugeln trommelten gegen die Scheiben des Fahrzeugs und überzogen diese mit feinen Rissen. »Aber wer ist denn hier? Niemand hatte den Planeten beansprucht.« Yehl war ratlos. Wieder zischten tödliche Geschosse über sie hinweg. Rocko grunzte auf, als ein paar Kugeln ihr Ziel fanden und gegen seine Rüstung prallten. Die Erde erzitterte, als etwas großes auf sie zu kam. Kim wagte einen Blick und bereute es sofort. Ein Bronco näherte sich ihrer Position. »Scheiße, wir müssen hier echt weg.« rief sie. Selbst Rocko schien der Gedanke, sich mit einem Kampfläufer anzulegen, nicht so sehr zu gefallen. »Hat jemand einen Plan?« fragte Yehl. »Ja, lauft!» rief Rocko, sprang auf und schoss Laser um Laser auf den Bronco. Die beiden Betas rannten los, gefolgt von mehreren Schüssen, die dicht neben ihnen einschlugen. Rocko teilte aus, so gut er konnte, aber die Situation entglitt ihm. Der Bronco hatte ihn in Zielsucher, dann röhrten auch schon die Läufe der schweren Maschinengewehre auf und grelle Mündungsblitze erschienen. Der Nashornbeta wurde regelrecht zu Hackfleisch zerschossen. Doch das bekamen Yehl und Kim nicht mit. Sie rannten. Sie rannten um ihr Leben. Hinter einer Gesteinsformation fanden sie Deckung. »Wie kommen wir wieder raus?« fragte Kim, die immer noch schwer mit ihrer Fassung rang »Ich habe keine Ahnung. Ich bekomme immer noch keinen Kontakt zum Shuttle und bis auf diesen beschissenen Bronco sehe ich unsere Gegner nicht.« Kim umklammerte ihre Prawda so fest sie konnte. »Vielleicht sollten wir uns ergeben?« Yehl sah sie an, als hätte sie ihn gerade aufgefordert sich sämtliche Federn auszureißen und sich selbst auf einen Grillspieß zu stecken. »Sag mal sonst tickst du Fellknäuel aber noch richtig oder? Ich meine ich glaube nicht, dass die Gefangene machen.« Wieder und wieder stoben Gesteinssplitter durch die Luft. »Geht denen denn nicht irgendwann mal die Munition aus?« beklagte sich Kim frustriert. Sie wollte nicht sterben. Yehl riskierte einen Blick über die Steine und da sah er sie. Justifiers in schweren Ganzkörperrüstungen. Sie hatten ihre Deckung aufgegeben und begannen nun mit dem Sturm auf ihre Position. Der Bronco stand in einiger Entfernung, scheinbar hatte es Rocko zumindest geschafft ihn zu beschädigen. »Sie kommen.« meinte er nur, nahm sein Allrounder und schoss. Einer der Angreifer taumelte, rappelte sich aber wieder auf und rannte weiter. Kim musste noch warten, da der Feind einfach noch zu weit weg war, aber das würde sich in den nächsten Sekunden ändern. Und dann war es so weit. Sie waren da und Kim und Yehl schossen um ihr Leben. Als das Magazin der Allrounder leer geschossen war, schleuderte er es einem der Angreifer entgegen. Dann griff er an sein Holster, zog die Highfire und schoss weiter. Einer der feindlichen Justifiers brach tot zusammen, als sein Visier der Masse der Kugeln nachgab und den Weg zum Kopf frei gab. Ein anderer wurde von Kim stark attackiert, so dass er in die Defensive gedrängt wurde. Kurze Zeit später war er tot. Doch es waren zu viele. Gepanzerte Hände griffen nach ihnen. Schlagstöcke prasselten auf ihre Leiber ein. Ihre leichten Peltast Alpha I boten nur geringen Schutz und so erlosch nach und nach ihr Widerstand. Kim erhielt einen Schlag auf den Hinterkopf und brach zusammen. Yehl schlug mit seinem Schnabel ein Visier ein und pickte dann wild im Inneren des Helmes herum. Ein markerschütterndes Kreischen drang daraus hervor. Blut spritze, dann war Ruhe. Ein Messer zuckte auf. Yehl versuchte ihm noch zu entgehen, aber es gelang ihm nicht. Die Vibroklinge drang ohne große Schwierigkeiten durch seinen Körperschutz und in seinen Körper. Die bernsteinfarbenen Augen Yehls weiteten sich. Eine Welle von Schmerz durchzuckte seinen Körper. Seine Knie gaben nach. Der Justifier vor ihm trat ihm gegen die Brust, so dass er nach hinten fiel und auf dem Rücken liegen blieb. Kim lag neben ihm, ihre Augen waren geschlossen. »Ist es zu spät für Verhandlungen?« fragte Yehl schwach. Ein großer Typ in schwarzer Hoplit Beta Rüstung beugte sich zu dem Raben herab und öffnete seinen Helm. Darunter kam die Schnauze eines Eisbärenbetas zum Vorschein. »Ein wenig, kleiner Vogelmann.« Yehl versuchte zu lachen, es gelang ihm aber nicht. »Schade, aber man konnte ja mal fragen.« Ein tiefes Brummen erklang. Es schien fast so, als ob der Bär lachte. »Du bist lustig, kleiner Vogelmann. Du und dein Team, ihr werdet sterben. Euer Shuttle wurde schon zerstört und alle, bis auf euch zwei Maden sind tot.« Yehl brauchte ein paar Sekunden, bis er die Information verarbeiten konnte. Alle tot? Er dachte, er würde jetzt etwas fühlen, doch dem war nicht so. Er fühlte nur Schmerz und Erschöpfung. »Warum?« fragte er. »Nun, kleiner Vogelmann, sagen wir ihr wart zur falschen Zeit am falschem Ort. Wir haben hier nur ein Artefakt geborgen. Zwei Stunden später und wir wären weg gewesen.« Wieder lachte der Eisbär, dann schloss er seinen Helm und drehte sich um. Ein Schuss heulte auf und der Kopf von Kim wurde um ein Loch bereichert. Bei Yehl hingegen schossen sie zwei Mal in den Bauch. Sie hatten ihn damit zu einem langsamen Tod verurteilt. Sein Blick trübte sich und es fiel ihm schwer seine Umgebung noch wahr zunehmen. „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ War der letzte Gedanke, der durch sein Gehirn geisterte, als sich seine Augen für immer schlossen.

Quellen

  1. Just News Underground 6
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Partnerseiten
Navigation
Werkzeuge